Stuttgart-Wangen
Der Ortsname Wangen bedeutet „leicht geneigte Flur“. Und Wangen ist sicher nicht der Nabel der Welt. Aber immerhin ist Wangen erstmals urkundlich erwähnt am 8. März 1229 – zusammen mit Stuttgart – in einer Urkunde des Papstes Gregor IV. für das Kloster Bebenhausen. Besiedelt war der Ort aber schon zur Zeit der Kelten und Alemannen. Etwa um 1130 dürfte Wangen zum Haus Württemberg gekommen sein.
1519 verjagten die Truppen des Schwäbischen Bundes Herzog Ulrich, der sich im Neckartal verschanzt hatte. U. a. wurde dabei von der ehemaligen Burg Hedelfingen, die auf Wangener Markung lag, scharf geschossen. Wangen erhielt 1828 das Marktrecht und gehörte zum Oberamt Cannstatt.
Zwischen den Jahren 1900 und 1907 wuchs die Einwohnerzahl in Wangen von 3174 auf 4501 – das ist ein Anstieg um 42%. 1905 wurde Wangen nach Stuttgart eingemeindet.
Davor hatten sich die Wangener lange gewehrt, fruchtbare Böden gegen Fabrikbauten zu tauschen. Doch hat der dramatische Bevölkerungszuwachs das Abwasserproblem ebenso dramatisch verschärft, denn die Brühe floss offen in der Wasenstraße zusammen und wurde in Richtung Neckar entleert – den Gestank im Sommer mag man sich kaum ausmalen.
40 Hektar Äcker im Tal hatten einen Gesamtwert von über einer Million Mark. Die Umwandlung in Bauland versprach die Lösung der drängendsten Probleme: Klärung der Abwässer und bessere Verkehrsanbindung an Stuttgart und auf den Wangener Berg, wo um 1900 rund 80% der Flächen dem Wein- und Obstbau dienten. Die Eingemeindung brachte, neben anderen ersehnten Wohltaten, ausdrücklich den Erhalt der Kelter – der Bedeutung des Weinbaus angemessen. Die, die der weiteren Eigenständigkeit den Vorzug gegeben hätten, sprachen von „Verrat“ und „Verkauf an die Stuttgarter“. Die Wangener Verantwortlichen verliehen 1905 lieber ihrem scheidenden Schultheißen Ernst Geiger die Ehrenbürgerschaft.
Unser Stadtbezirk hat heute stolze (knapp) 10.000 Einwohner. Der Ortskern von 1830 (etwa die heutige Ulmer Straße, Wangener Kelterplatz, Biberacher, Ravensburger, Höhberg-, Buchauer Straße), hat seinen Umfang bis 1910 verdoppelt. Während der 1930er Jahre entstanden weitere Wohngebiete, ebenso nach dem zweiten Weltkrieg.
Ab 1950 entwickelte sich dann die gesamte ebene Markungsfläche im Neckartal rasant: durch Industrie, Gewerbe, Großmarkt, den Neckarhafen und die Bundesstraße 10.
Heute (so jedenfalls die Stadt Stuttgart: Wangen | Landeshauptstadt Stuttgart)
Der frühere Industrievorort hat sich inzwischen wieder sehr gewandelt. Es gibt fast keinen Produktionsbetrieb mehr, angesiedelt haben sich zahlreiche Unternehmen aus Handel, Dienstleistung und Hochtechnologie, wie das Forschungszentrum von Sony Deutschland. Die Geschäfte an der Ulmer Straße, der Einkaufsstraße, decken den täglichen Bedarf der Wangener Bevölkerung ab.
Wer durch Wangen spaziert, kann hier und da noch etliche alte Fachwerkshäuser und Jugendstilhäuser entdecken. Abseits der Durchfahrtsstraße findet man herrliche Gärten und begrünte Höfe, die Lebensqualität bringen und zur Luftverbesserung beitragen.
Wangen spiegelt wie kaum ein anderer Stadtbezirk die große Vielfalt der Nationen und Kulturen in Stuttgart wider. Das gute Miteinander der Generationen und Kulturen wird von vielen Vereinen und Initiativen im Stadtbezirk getragen.